Antonio Canal - The Bucintoro at the Molo on Ascension Day (E1924-3-48) (c. 1745) (Full)

Antonio Canal - Der Bucintoro am Molo am Himmelfahrtstag

Schwarz / S / Sosna
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Der Bucintoro am Molo am Himmelfahrtstag (E1924-3-48) (ca. 1745) (oder Die Rückkehr des Bucintoro zum Molo am Himmelfahrtstag (E1924-3-48) (ca. 1745))
Antonio Canal
 

Das Werk verströmt die Macht und den zeremoniellen Glanz des Venedig des 18. Jahrhunderts und bündelt seine gesamte Dramatik um den überwältigenden, von Gold überströmten "Il Bucintoro" – die repräsentative Staatsbarke des Dogen, die soeben von der feierlichen Vermählung Venedigs mit dem Meer während der rituellen Feierlichkeiten zu Christi Himmelfahrt zurückgekehrt ist. Der Blick der versammelten Menge aus Patriziern, Würdenträgern und Ruderern richtet sich auf den majestätischen Dogenpalast und auf die Barke selbst, die die Vermählung mit dem Meer (Sposalizio del Mare) symbolisiert. Die Figuren im Vordergrund, die in schlanken schwarzen Gondeln und reich geschmückten Booten dahingleiten, werden zugleich zu Teilnehmern und Zuschauern dieses Schauspiels von Macht und Pracht, dessen höchstes Attribut die hohe purpurrote Fahne des heiligen Markus ist, die stolz am Heck weht und die Ewigkeit sowie die Stärke der Republik verkündet.

Der Bildraum beeindruckt durch mathematische Präzision: Die strenge und zugleich spitzenartig feine Architektur des Dogenpalastes, des Campanile von San Marco und der Biblioteca Marciana bildet eine monumentale Kulisse für die dynamische Szene auf dem Wasser. Canaletto arbeitet hier mit einem kristallinen venezianischen Licht, das mit nahezu fotografischer Genauigkeit die Textur des sandfarbenen Marmors der Palastfassade und die Rauheit des gemauerten Glockenturms herausarbeitet. Die Farbigkeit balanciert zwischen dem tiefen, gesättigten Blau des Himmels und dem zartgrünen Ton der Lagune von Venedig und schafft so eine kühle, harmonische Dominante. Dazu kontrastieren die flammenden Akzente von Scharlach und Gold auf dem herrschaftlichen Schiff, die das Sonnenlicht bündeln und die Atmosphäre eines erhabenen, luxuriösen Festes entstehen lassen.

Das technische Können Antonio Canals offenbart sich in seiner phänomenalen Beherrschung der Vedutenmalerei und in der virtuosen Behandlung des Details. Jede der Dutzenden miniaturhaften Figuren besitzt, obwohl nur mit wenigen Pinselstrichen umrissen, einen individuellen Charakter, eine eigene Bewegungsdynamik und eine kunstvoll wiedergegebene Kleidung – ein Zeugnis des absoluten technischen Genies des Künstlers. Seine unvergleichliche Meisterschaft zeigt sich in der Darstellung der Lichtreflexe auf dem bewegten Wasser ebenso wie in den fein gearbeiteten, skulpturalen Details der Dekoration des Bucentaur. Dieses Werk ist nicht nur eine herausragende Leistung der Malerei des Zeitalters der Aufklärung, sondern vor allem ein luxuriöses, ewig lebendiges Dokument der Macht und ästhetischen Raffinesse Venedigs im 18. Jahrhundert.

Eine faszinierende historische Besonderheit ist mit dem Schicksal des auf dem Gemälde verewigten Bucentaur verbunden. Das auf der Leinwand sichtbare Schiff war die vierte und zugleich letzte, luxuriöseste Version der Dogengaleere, die 1729 vom Stapel lief. Canaletto hielt sie in voller Pracht mehrere Jahrzehnte vor dem tragischen Ende der Republik Venedig fest: 1798 plünderten die Truppen Napoleon Bonapartes, in dem Bestreben, den venezianischen Stolz endgültig zu demütigen und die Spuren seiner Macht auszulöschen, das Schiff vollständig seiner goldenen Verzierungen, bevor sie den Rumpf verbrannten. Das Gemälde ist somit eines der wichtigsten ikonografischen Zeugnisse der vergangenen, glanzvollsten Epoche der Serenissima. Bei der Arbeit an derart komplexen architektonischen Kompositionen und an der gesamten Serie zum Fest des Il Bucintoro bediente sich Canaletto regelmäßig eines fortschrittlichen optischen Geräts – der Camera obscura. Dieses Instrument ermöglichte ihm eine äußerst genaue Wiedergabe der Proportionen und Topografie Venedigs, doch der Meister kopierte die Wirklichkeit nie unkritisch; häufig manipulierte er bewusst Perspektive und Abstände zwischen Gebäuden, um die Dramatik und Monumentalität der Szene zu steigern. Das Bild birgt zudem einen subtilen chronologischen Hinweis, der erst bei genauerem Hinsehen erkennbar wird. Auf der Leinwand ist ein charakteristischer, zerklüfteter und beschädigter Abschnitt der Ecke des Campanile zu sehen – ein direkter Verweis auf das tatsächliche Ereignis vom 23. April 1745, als ein gewaltiger Blitz in den Turm einschlug, die Mauern aufriss und einen Teil der Spitze zerstörte. Canaletto, bekannt für seine kompromisslose Treue zu topografischen Fakten, verewigte diesen architektonischen Schaden noch vor Beginn der Reparaturarbeiten, wodurch das Werk einen einzigartigen, beinahe journalistischen dokumentarischen Wert erhielt.

DETAILS

Titel: Der Bucintoro am Molo am Himmelfahrtstag (E1924-3-48) (ca. 1745) (oder Die Rückkehr des Bucintoro zum Molo am Himmelfahrtstag (E1924-3-48) (ca. 1745))
Originaltitel: Il Bucintoro al molo nel giorno dell'Ascensione (E1924-3-48) (c. 1745)
Künstler: Antonio Canal
Entstehungszeit: ok. 1729–1732
Entstehungsort: Venedig, Italien
Typ : Gemälde
Technik: Öl auf Leinwand
Genre: Weduta (pejzaż miejski)
Stilrichtung: Barock / wenecka szkoła vedutystów
Form: Malerei

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